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43/2020
 

Darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben; wie geschrieben steht (Habakuk 2,4): „Der Gerechte wird aus Glauben leben.„ Römer 1,17

Heute blickt die christliche Welt auf 503 Jahre Reformation in der Kirche zurück. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch an das große Jubiläum 2017. Das Werkzeug, dessen Gott sich dabei bediente, war Martin Luther, und der Anlass war der Ablasshandel.

Mit der oben beschriebenen „Gerechtigkeit, die vor Gott gilt„ haderte Luther, denn darunter verstand er eine von Gott geforderte Gerechtigkeit. So sehr er sich auch immer mit noch so harten Bußübungen darum bemühte – alles war vergeblich. Die 95 Thesen gegen den Ablasshandel, die er am 31. Oktober 1517 an die Tür der Schlosskirche genagelt haben soll, verbreiteten sich in Windeseile.

Er war längst Professor der Theologie an der Universität Wittenberg, aber Frieden mit Gott hatte er immer noch nicht gefunden. Er schrieb: „Ich aber fühlte mich, obwohl ich untadelig als Mönch lebte, vor Gott als ein von Gewissensqualen verfolgter Sünder.„

Sein Lieblingsort war sein kleines Turmstübchen. Viele Stunden verbrachte er dort und studierte die Bibel. Eines Tages stieß er im Römerbrief auf unseren Eingangstext: „Der Gerechte wird aus Glauben leben.„ Das war für ihn die rettende Botschaft! Er erkannte die Gerechtigkeit Gottes, mit der er den Sünder rechtfertigt. Das war sein großes „Turmerlebnis„ und die Wende seines Lebens. Er schreibt: „Da fühlte ich mich wie ganz und gar neu geboren, und durch offene Tore trat ich in das Paradies selbst ein. Da zeigte mir die ganze Schrift ein völlig anderes Gesicht.„ Er erkannte die vier „Soli„: allein durch Christus (solus Christus), allein durch die Bibel (sola scriptura), allein durch die Gnade (sola gratia) und allein durch den Glauben (sola fide) – darauf kommt es an. Als er seine Erkenntnisse 1521 auf dem Reichstag zu Worms widerrufen sollte, lehnte er ab, indem er sich auf die Bibel und sein Gewissen berief.
Luther war damit nicht vollkommen. Manches, was er beispielsweise gegen Juden und den Bauernkrieg schrieb, sehen wir heute anders. Das zeigt, dass die Reformation noch nicht vollendet ist. Dennoch war Luther ein großer Mann Gottes, für den auch wir als Adventisten sehr dankbar sind. Möge Gott die Reformation bald vollenden!

Reinhold Paul



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