Sie sind hier: Andacht der Woche  

02-2021
 

Ich gebe euch jetzt ein neues Gebot: Liebt einander! So wie ich euch geliebt habe, so
sollt ihr euch auch untereinander lieben. An eurer Liebe zueinander wird jeder erkennen,
dass ihr meine Jünger seid.

Johannes 13,34–35 (Hoffnung für alle)


Wir Christen schreiben uns die Nächstenliebe gern groß auf die Fahne. Doch leben wir sie auch in allen Bereichen unseres Lebens? In diesem Bibeltext geht es nicht um die Liebe zu schwachen, hilfsbedürftigen Menschen. Jesus spricht hier klar und deutlich von der Liebe seiner Jünger zueinander und mir scheint dieses Thema aktueller denn je.

Im Gruppengespräch über die Bibel, das in den meisten Adventgemeinden Teil des Gottesdienstes ist, wird gemäß des Textes aus Sprüche 27,5 (Hfa): „Liebe, die offen zurechtweist, ist besser als Liebe, die sich ängstlich zurückhält.“ häufig heftig diskutiert. Dabei vergessen wir manchmal, dass zwischen in Liebe geübter Kritik und rücksichtslosem Vertreten der eigenen Meinung nur ein schmaler Grat liegt. Wir sind oftmals so sehr von uns und unserer Ansicht überzeugt, dass wir keinen Widerspruch stehen lassen können. Wir schätzen unsere eigenen Überzeugungen so hoch, dass wir uns um keinen Preis davon abbringen lassen wollen. In den vielen Debatten der letzten Jahre, angefangen beim Liederbuch bis hin zur Frauenordination, konnte man diese Liebe untereinander leider oft vergeblich suchen. Mit Bibeltexten und Zitaten von Ellen White „um sich schlagen“, kam genauso vor wie als Satire getarnter Spott.

Wir sind so sehr damit beschäftigt, darauf zu schauen, was der andere falsch macht, dass wir für echte Annahme und Liebe keine Zeit finden. Dabei warnt Paulus schon im Korintherbrief eindringlich davor, die eigenen Ansichten mehr zu schätzen als unser Gegenüber: „Aber die richtige Erkenntnis allein führt nur zu Hochmut: Liebe dagegen baut die Gemeinde auf.“ (1 Kor 8,1 Hfa)

Lasst uns den Fokus wieder mehr auf das Miteinander als auf theologische Feinheiten legen. Lasst uns die Gemeinde aufbauen und Gottes Botschaft der Liebe in die Welt hinaustragen. Lasst uns damit in unserer eigenen Kirche anfangen.

Debora Gregor



© Advent-Verlag Lüneburg


03/2021 | 39/2020