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38/2019
 

Der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit.

Psalm 103,3–4


Was denkst du: Wie barmherzig ist Gott? Das ist eine echte Frage. Der Psalm sagt klar: „Gott ist barmherzig.„ Und diese Aussage findet sich in der Bibel an vielen Stellen. Trotzdem frage ich: Wie barmherzig, denkst du, ist Gott? Hast du die Gewissheit, dass seine Barmherzigkeit immer größer ist als du?

Ich mag die Texte über Gottes Barmherzigkeit. Ich sauge sie auf wie ein Schwamm. Zugleich merke ich, dass diese Grenzenlosigkeit meinen Verstand übersteigt. Ich denke so anders, so klein und begrenzt. Oft so unbarmherzig. Und schlussfolgere dann, Gott mache es mir gegenüber genauso. Jean-Marie Vianney, katholischer Priester (1786–1859), sagte: „Nichts beleidigt Gott so sehr, als wenn man an seiner Barmherzigkeit zweifelt.„

Ich weiß, dass Gott eine Menge Geduld mit mir braucht und dass ich seine Barmherzigkeit oft überstrapaziere. Es ist mir schmerzlich bewusst, dass an mir mehr schwarze als weiße Flecken sind und ich noch mehr als weit von dem Ideal entfernt bin, das Gott in mir sieht. Ich brauche Barmherzigkeit. Sehr viel Barmherzigkeit.

Gott ist groß. Oft übersehen wir das in unserem menschlichen Klein-Klein. Wir können uns Gottes Größe nicht vorstellen. Und dann passiert es leicht, dass wir ihn unterschätzen, an ihm zweifeln, nur unserem Verstand trauen.
Wie barmherzig, denkst du, ist Gott? Wie barmherzig geht er mit dir um, mit deinem Nachbarn oder Kollegen? Die Bibel bietet uns keine Skala dafür. Sie schreibt nicht von „ein bisschen„ oder „viel„, sie schreibt entweder „groß„ oder einfach nur ganz absolut: „Gott ist barmherzig.„ Punkt.

Wo ich einem barmherzigen Gegenüber begegne, da habe ich eine Chance. Da darf ich sein. Da darf ich um Vergebung bitten. Da darf ich wissen: Ich bin angenommen. Gott ist so ein Gegenüber. Seine Barmherzigkeit ist groß. Glaube ihm!

Stephanie Kelm


Alles empfangen,
alles verschenken,
alles gewinnen.
Ruhen in der Liebe,
ruhen in Gott.
(Josef Butscher: Wachsen in der Liebe,
Advent-Verlag, S. 21)


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