You are here: Andacht der Woche  

01-2018
 

Denn das ist der Wille meines Vaters, dass, wer den Sohn sieht und glaubt an ihn, das ewige Leben habe; und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tage.
Johannes 6,40

Der bekannte Schweizer Schriftsteller Franz Hohler äußerte sich 2016 in einem Interview über seine Stellung zur Religion folgendermaßen: „Ich habe keine Heilserwartungen oder Auferstehungshoffnungen. Für mich ist die Vorstellung von einem ewigen Leben ein Graus.“ (reformiert.info, Nr. 3, 2016, S. 12)

Woran mag es liegen, dass ein reifer Mensch zu solch einer drastischen Aussage gelangt und den Gedanken an eine ewige Zukunft entschieden ablehnt? Nun, wer einige Jahrzehnte auf dieser Welt gelebt und die Entwicklungen darauf mit scharfem Blick beobachtet hat, mag mit Recht sagen: Es wird immer schlimmer. Ein ewiges Leben in solch einer Welt wäre tatsächlich unerträglich.

Um sich ein ewiges Leben wünschen zu können, muss unser Blick durch das Evangelium auf eine andere Welt gerichtet sein. In unserem Bibelwort spricht Jesus von der Aufer-weckung am Jüngsten Tag. Er meint damit den ersten Tag einer neuen Weltordnung. Die Jünger, die ihn gut drei Jahre begleiteten, hofften lange Zeit auf ein irdisches Reich, frei vom römischen Joch. Jesus versuchte wiederholt, diese Vorstellung zu korrigieren, aber die Jünger hatten Mühe, umzudenken. Sie waren noch nicht zu der Erkenntnis gelangt: Ewiges Leben in einer sündigen Welt ist unerträglich.

Trotzdem gibt es keinen Grund, zu resignieren. Doch es braucht Glaubensmut, sich vorzustellen, dass Gott eine neue Welt schaffen will und kann. Wer das alles allerdings mit dem rein naturwissenschaftlichen Blick betrachtet, dem gelingt dieser Schritt nicht. Im Glauben an den Sohn Gottes aber wird es möglich, sich vorzustellen, dass der Schöpfer dieser Welt sie von Vergänglichkeit und Sünde befreien und neu gestalten kann. Für diese Zeit hat er ewiges Leben versprochen. Übrigens war ewiges Leben ja schon die ursprüngliche Absicht unseres Schöpfers.

Manche denken auch, ewiges Leben müsse irgendwann langweilig werden. Wer so spricht, hat bestimmt zu wenig Einblick in die Komplexität unserer Schöpfung gewonnen. Schon heute werden uns immer mehr Informationen verfügbar, obwohl wir hier nie alles erfassen werden. Langeweile wird es also auch in der Ewigkeit nicht geben. Es gibt noch so viel zu entdecken!

Gunther Klenk


© Advent-Verlag Lüneburg


41/2017 | 52/2017