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43/2017
 

Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, zu dem Jesus sie bestellt hatte. Als sie ihn sahen, warfen sie sich vor ihm nieder, doch einige hatten auch Zweifel.

Matthäus 28,16-17 (Gute Nachricht Bibel)

Die Jünger hatten dreieinhalb Jahre mit Jesus zusammengelebt, seine Worte gehört, seine Wunder erlebt und waren in den letzten 40 Tagen dem Auferstandenen wiederholt begegnet. Und jetzt, kurz vor Christi Himmelfahrt, waren diese Unsicherheit und Ungewissheit, die sich als Zweifel äußerten, trotzdem bei einigen da. Woran sie zweifelten, wurde von Matthäus nicht berichtet, aber es gibt keine Situation, in der es nicht auch möglich wäre zu zweifeln.

Nimmt Gott es uns übel, wenn wir Fragen haben und zweifeln? Nein! Ich behaupte, dass alle gläubigen Menschen gelegentlich gezweifelt haben, auch die größten „Glaubens-helden“. Der Prophet Jeremia zum Beispiel klagte Gott an: „Du hast mich enttäuscht, du bist wie ein Bach, der versiegt.“ (Jer 15,18 Hfa) Hiob sagte in seiner Verzweiflung: „Wenn ich ihn auch anrufe, ... so glaube ich nicht, dass er meine Stimme hört.“ (Hiob 9,16) Obwohl gläubige Menschen nicht an der Existenz Gottes zweifeln, kann es doch Situationen tiefster Enttäuschung geben, in denen auch sie Gottes Handeln in seiner Richtigkeit bezweifeln. Innerlich aufgewühlt können sogar die Fragen ungläubiger Gesprächspartner zu eigenen Fragen werden: Vielleicht gibt es Gott ja doch nicht, und alles ist nur Wunschdenken oder Selbsttäuschung? Es ist wie ein Absturz ins Bodenlose!

Wer das als gläubiger Mensch erlebt, sollte sich zurückerinnern an die Entscheidungsphase seiner Bekehrung. Was hatte damals dazu geführt, an Gott zu glauben? Bei mir waren es drei Überzeugungen.Es muss einen Gott geben; denn das Leben in seiner Komplexität kann nicht von selbst entstanden sein. Die Natur offenbart Gott als Schöpfer.
Dieser geniale Schöpfer kümmert sich um seine Geschöpfe. Er spricht zu ihnen durch Propheten und Apostel. Die Bibel offenbart ihn als liebevollen Vater.Und der dritte Punkt waren meine Erfahrungen; denn ich hatte wiederholt erlebt, wie Gott mich geführt hat.

Das erneute Bewusstmachen dieser drei fundamentalen Tatsachen kann den Sturz in geistliche Finsternis und Verzweiflung auffangen. Zweifel, die mit Gottes Hilfe überwunden werden, lassen unseren Glauben reifen und stärker werden.

Harald Weigt


© Advent-Verlag Lüneburg


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