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31/2017
 

Ich erzähle euch noch ein Gleichnis für das Reich Gottes: Ein Bauer streute Saatgut auf einem Feld aus und ging dann wieder an seine andere Arbeit. Die Zeit verging, die Saat keimte und wuchs ohne das Zutun des Bauern heran.

Markus 4,26-27 (Neues Leben Bibel)

Als 1950 der Koreakrieg begann, suchten die Amerikaner Soldaten aus aller Welt, die bereit waren, mitzukämpfen. Ein junger Mann in der Osttürkei hörte davon und meldete sich. Während eines Aufenthaltes in einem amerikanischen Krankenhaus verliebte er sich in eine Krankenschwester. Ihr Name war Nancy Reagan - nicht die Frau des ehemaligen US-Präsidenten, aber dessen Cousine. Diese Beziehung hielt nicht, aber Nancy hatte dem jungen Muslim eine Bibel gegeben. Und dieser Mann las jeden Tag in seiner Bibel - viele Jahrzehnte lang.

Dann kam 2003 der zweite Irakkrieg. In der Stadt, in der dieser Mann nun lebte, bauten die Amerikaner einen großen Stützpunkt, und eine seiner Töchter wurde als Buchhalterin angestellt. Ihre Chefin, eine Amerikanerin aus Kalifornien, bekehrte sich während eines Heimaturlaubs zu Gott. Als sie zurückkam, sagte die junge Angestellte zu ihr nach einiger Zeit: „Was ist passiert? Du schimpfst nicht mehr, du rauchst nicht mehr!“ Die Amerikanerin antwortete, sie habe angefangen, die Bibel ernst zu nehmen. „Die Bibel? Ich kenne sie, seit ich klein bin.“ Und die Türkin erzählte ihr die Geschichte ihres Vaters.

Daraufhin wurde ich in diese türkische Familie eingeladen - zehn Kinder, inzwischen alle verheiratet, und selbst mit vielen Kindern. Der Raum war eng und überfüllt. Zum ersten Mal trafen diese Muslime einen Pastor! Und sie stellten mir viele Fragen. Die erste war die schwerste: Was bedeutet, Jesus sei Gottes Sohn? Es ging von Frage zu Frage, inklusive des Ruhetags. Diese Menschen akzeptierten meine Antworten. Zum Schluss fragten sie: „Wir sind mit allem, was du sagst, einverstanden. Wann taufst du uns?“

So entstand eine kleine Adventgemeinde mitten in der Osttürkei; nur, weil Nancy Reagan einem jungen Türken eine Bibel gegeben hatte - ein halbes Jahrhundert davor.
Jesus hat in seiner Geschichte nicht spezifiziert, welche Samen er meinte. Salat? Der wächst innerhalb von drei Wochen. Aber Apfelbäume brauchen länger.
Lasst uns in Geduld den Evangeliumssamen säen, auch wenn wir manche Früchte erst in der Ewigkeit sehen werden.

Sylvain Romain


© Advent-Verlag Lüneburg


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