You are here: Andacht der Woche  

27/2017
 

„Meister“, fragte er, „was muss ich tun, um das ewige Leben zu bekommen?“

Lukas 10,25 (Neue Genfer Übersetzung)

Irgendwie sehnen wir uns alle nach dem letzten Wort, das alles klärt. Meine Studenten hatten diese Sehnsucht bei kniffligen theologischen Fragen; meine Kinder wünschen es sich, wenn sie nicht mehr weiterwissen; meine Gemeinde sucht danach - das letzte Wort. Und doch stolpern und taumeln wir oft durchs Leben und vergessen, dass es nur ein letztes Wort gibt - und das lautet: Jesus.

Jesus wurde oft selbst nach diesem letzten Wort gefragt: „Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu bekommen?“, fragte ein Schriftgelehrter eines Tages. Eine gute Frage, denken wir uns, da wird es sicher eine endgültige Antwort geben. Was für eine wunderbare Gelegenheit, um die Wahrheit einmal richtig scheinen zu lassen. Jesus wusste, was es wirklich war: eine clever gestellte Falle. Der, der alle Herzen kennt, beantwortete die Frage mit einer anderen: „Was steht im Gesetz? Was liest du dort?“ (Lk 10,26 NGÜ) Die Antwort des Schriftgelehrten war theologisch präzise und genau richtig. Er kannte das Gesetz und zitierte aus 5. Mose 6,5 und 3. Mose 19,18. Gott und seinen Nächsten von ganzem Herzen zu lieben war eine gute Antwort. Jesus kommentierte diese Antwort positiv und ermutigte den Schriftgelehrten: „Du hast richtig geantwortet. Tu das und du wirst leben.“ (Lk 10,28 NGÜ)

Doch das ist nicht das Ende der Geschichte. Irgendwie hatte der Schriftgelehrte das Gefühl, sich verteidigen zu müssen. Im Griechischen wird hier die Wurzel des Wortes für „Rechtfertigung“ gebraucht - ein sehr wichtiger Ausdruck in der biblischen Theologie. Die Gegenfrage des Schriftgelehrten: „Wer ist denn mein Nächster?“, war einfach ein lahmer Versuch, sich selbst zu rechtfertigen.

Anschließend erzählte Jesus eines seiner bekanntesten Gleichnisse - über einen Samaritaner, der tatsächlich gut war. Jesus entlarvte die Sehnsucht nach dem letzten Wort als faule Lösung. Christi „letztes Wort“ ermutigte seine Zuhörer, selbst zu denken, selbst zu suchen und dann auch selbst authentisch zu leben. Er kennt unser Verlangen, die Abkürzung zu gehen und uns auf andere zu verlassen. „Tu das und du wirst leben,“ ist auch heute die Einladung Jesu, um ihm, Gottes letztem Wort, authentisch und konsequent zu folgen.

Gerald A. Klingbeil


© Advent-Verlag Lüneburg


16/2017 | 13/2017