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23/2017
 

Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

Johannes 3,16

Ein Mensch liegt am Boden, er hat sich am Kopf verletzt, kommt von allein nicht mehr hoch, nicht auf die Beine, und schon gar nicht 20 Kilometer weit und 1000 Meter hinauf durch eine enge Höhle. Zwei Begleiter hat er dabei, einer bleibt bei ihm, der zweite klettert zwölf Stunden ans Licht. Was wird er dem Verletzten zum Abschied gesagt haben? Da gibt es nur einen Satz: „Wir holen dich hier raus.“ Diese Worte stammen aus einem Kommentar mit dem Titel „Die Kosten der Menschlichkeit“ im Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL. Was war geschehen?

2014 verunglückte der Höhlenforscher Johann Westhauser und konnte sich weder aus eigener Kraft noch mit Hilfe seiner beiden Begleiter befreien. Was folgte, war eine beispiellose Rettungsaktion: Insgesamt waren 728 Rettungskräfte 274 Stunden lang im Einsatz. Fast zwölf Tage versorgten uns die Medien mit Bildern und Details über die Maßnahme. Hätte es eine Alternative zu dem Satz „Wir holen dich hier raus“ gegeben? Der Autor des Kommentars sagt: Nein. Egal, wie hoch sich die Kosten belaufen: Wir helfen, „weil wir Menschen sind“. Ein starkes Wort, das stimmt. Keine Ausflüchte wie: zu gefährlich, zu teuer, zu aufwändig.

Tagtäglich gibt es Situationen, in denen Menschen Hilfe brauchen, ohne dass es viel kostet oder erheblicher Zeitaufwand nötig wäre. Nicht immer ist die Not des anderen sofort zu erkennen; manches ist verdeckt und bedarf des genauen Hinsehens oder Hinhörens. Doch es ist eben ein weiterer Schritt, die erforderliche Hilfe dann auch zu leisten.

Es kann sein, dass dieser Schritt mit Hingabe verbunden ist, weil allein die Zuwendung zum Nächsten ein wertvolles Signal der Menschlichkeit und der ehrlichen Anteilnahme ist. Wo diese Zuwendung von uns gelebt wird, spiegeln wir Gottes Charakter.

„Wir holen dich hier raus“ - könnte dieser Satz auch von Gott stammen? Der Andachtstext sagt eindeutig Ja, weil wir uns selbst nicht retten können. Wir stecken in der Klemme; die Sünde, d. h. die Entfremdung von Gott und untereinander, hat uns voll im Griff. Deshalb brauchen wir eine Hilfe, die auf Dauer angelegt ist. Nicht 728 Rettungskräfte, sondern „nur“ ein Retter kam. Gott hat den höchsten Preis gezahlt. Heute will ich danken und helfen.

Johannes Naether


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