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12/2017
 

Herr, du ... weißt alles über mich. Wenn ich sitze oder wenn ich aufstehe, du weißt es. Du kennst alle meine Gedanken. Wenn ich gehe oder wenn ich ausruhe, du siehst es.

Psalm 139,1-3 (Neues Leben Bibel)

Gott sieht alles und weiß alles - und er wird vom Psalmbeter dafür gelobt! Warum? Kann diese Vorstellung nicht auch Angst vor Gott und Ablehnung hervorrufen? Selbst David kannte solche Gedanken: „Wohin sollte ich fliehen vor deinem Geist, und wo könnte ich deiner Gegenwart entrinnen?“ (V. 7 NLB)

Das Privatleben von Menschen wird nicht umsonst durch Gesetze geschützt. Der Gedanke, unablässig beobachtet zu werden, kann sehr beklemmend sein. Darum darf in unserem Land zu Recht nicht einmal der Geheimdienst ohne zwingende Gründe in die Privatsphäre eindringen.

Wir hören oder lesen ein Wort - doch es löst sehr verschiedene Reaktionen aus. Wie kommt das? Zum einen liegt es an dem Vorverständnis, mit dem ich das Wort höre. Zum anderen liegt es an der Beziehung, die ich zu dem habe, um den es geht. Das Vorverständ-nis, mit dem ich reagiere, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab: von meinem Tempera-ment und meinen Erfahrungen, von meinen Bedürfnissen oder Ängsten. Sie können leicht Missverständnisse hervorrufen. Darum ist es immer gut, noch einmal nachzufragen: Ist es wirklich so gemeint, wie ich es verstanden habe? Noch mehr kommt es aber auf die Beziehung an. Vertraue ich dem, um den es geht, höre ich seine Worte ganz anders, als wenn ich ihn fürchte.

David vertraute dem Gott, zu dem er betete. Er sah sich als sein Geschöpf und war sich seiner Liebe und Fürsorge gewiss. Darum war die Tatsache, dass Gott alles sieht, für ihn keine beängstigende Vorstellung. Im Gegenteil, sie war hilfreich. Wenn er - unabsichtlich oder auch absichtlich - den falschen Weg einschlug und dadurch sich oder anderen schadete, dann konnte Gott ihn wieder auf den rechten Weg zurückbringen, weil er alles sieht. Das hatte David erlebt. Als er auf einen schmerzlichen Irrweg geraten war, hatte Gott, der Herr, ihn nicht im Stich gelassen. Darum bat er auch am Ende dieses Psalms um Gottes Hilfe (vgl. V. 23-24).
David wusste aus Erfahrung: Wenn er seinem Gott vertraute, würde alles gut werden. Eine solche Gewissheit nimmt die Angst. Sie gibt Geborgenheit und Kraft. Auch heute.

Lothar Wilhelm


© Advent-Verlag Lüneburg


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