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10/2017
 

So sind wir nun mit ihm begraben worden durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus aus den Toten auferweckt worden ist durch die Herrlichkeit des Vaters, so werden auch wir in Neuheit des Lebens wandeln.

Römer 6,4 (Elberfelder Bibel)

Vor 36 Jahren stieg ich zu meinem Vater ins Taufbecken. Die einzige Erinnerung, die ich daran habe, ist das Foto von meiner Taufe. An den folgenden Tag kann ich mich allerdings noch gut entsinnen: Ich wollte, wie Paulus es schrieb, in der „Neuheit des Lebens wandeln“. Um nichts falsch zu machen, ging ich spazieren und überlegte die ganze Zeit, wie ich wohl dieses Gefühl der Neuheit und Reinheit konservieren könnte. Das kaum jemanden verwundernde und trotzdem nicht weniger nüchterne Ergebnis war, dass das Projekt „sündlos leben“ scheiterte.

Es braucht am Anfang (besonders wenn man erst knapp 14 ist) eine ganze Zeit, bis man begreift, dass Paulus bewusst von der „Neuheit des Lebens“ und vom „Wandeln“ sprach und nicht vom verbissenen Festklammern am noch feuchten Taufhandtuch. Das Neue ist nicht wie das neue Auto, das morgen schon das alte ist. Es ist auch nicht der verzweifelte Versuch des Freigeistes, der heute schon von morgen sein will und dabei übersieht, dass er dann übermorgen schon von gestern ist.

Die Neuheit des Lebens ist eine Qualität, mit der das Leben des Nachfolgers von innen her angereichert ist. Es ist - um in biblischer Sprache zu bleiben - der Zugang zu den Blättern der Bäume des Lebens, die in der Offenbarung beschrieben werden (Offb 22,2), aber durch die Taufe und das Leben mit Jesus nun zugänglich ist. Die Neuheit des Lebens bedeutet: Jetzt, heute, kann ich wieder neu werden. Ich bin nur ein Gebet um Vergebung von dem Zustand entfernt, in dem ich damals das Taufbecken verließ.

Und ganz ehrlich: Wenn ich zurückblicke auf meine Jahre mit Jesus, dann ist das, was mich am meisten begeistert, der ständige Zugang zu ihm, die Möglichkeit der permanenten Verbindung, der heiße Draht, der ihn mit mir verbindet. Ferner wundere ich mich immer wieder darüber, wie das Begrabenwerden und Auferstehen, das in meiner Taufe symbolisch geschah, in der Übung des Vergebens täglich praktisch werden kann. Das eine ist ja „nur“ das Symbol, das andere die Wirklichkeit, auf die es verweist. Diese zu erleben lohnt die Mühe, über seinen eigenen Schatten zu springen.

Dennis Meier


© Advent-Verlag Lüneburg


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