You are here: Andacht der Woche  

52/2016
 

Du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist.

Micha 5,1

Welch eine Prophezeiung! 700 Jahre vor der Geburt von Jesus in Bethlehem machte der Prophet Micha diese Vorhersage über den Geburtsort des Messias und dessen göttlichen Charakter. Die alttestamentlichen Voraussagen auf Jesus (so auch die in Psalm 22 und Jesaja 53) gehen bis in Einzelheiten und gehören zum Erstaunlichsten der schriftlichen Überlieferung des Altertums. Manche versuchen sie kollektiv auf den Leidensweg des jüdischen Volkes zu deuten, doch all solchen Erklärungsversuchen steht Michas Weissagung über den Geburtsort Bethlehem im Wege.

Gott kehrt die uns gewohnten Wertvorstellungen um. Was groß ist vor der Welt, das ist für ihn klein. Aus dem Kleinen aber kommt das Große. Ausgerechnet ein kleines, immer wieder geschundenes Volk hat Gott erwählt, damit aus ihm der verheißene Retter kommt. Die große Politik, die Reichsreform des Kaisers Augustus mit den dazugehörenden Volkszählungen benutzt Gott, um Josef mit seiner Frau Maria zum richtigen Zeitpunkt nach Bethlehem zu bringen.

Und Jesus selbst? Ein Zimmermann aus dem verachteten Landstrich Galiläa. Sein Umkreis: ein paar junge Leute, einige Fischer, meist ungelehrt. Und dennoch: Sie stürzen eine Welt um. Was war ihre Macht? Einzig die Botschaft der Liebe und Erlösung.

Als ich, noch recht jung, zum ersten Mal im Pergamonmuseum in Berlin war, die Nachbildung der Prozessionsstraße Babylons durchschritt und dann die monumentalen Zeugnisse der griechisch-römischen Kultur vor mir sah, da durchfuhr mich der Gedanke: Und diese Welt ist durch ein paar Fischer aus Galiläa umgekrempelt worden! Die Weltgeschichte bezeugt, dass alle großen Wandlungen von kleinen, überzeugten Gruppen ausgegangen sind.

Was hat mein eigenes Leben geprägt? Nichts Spektakuläres, kein Gepränge. Meist ganz Unscheinbares, eher Privates. Und doch habe ich gespürt: Nun war Gott da, jetzt hat er zu mir gesprochen.

Es kommt wohl darauf an, dass wir für das Handeln Gottes in unserem Leben ein offenes Auge haben, um im Kleinen das Große zu finden.

Dieter Leutert


© Advent-Verlag Lüneburg


41/2016 | 28/2015