You are here: Andacht der Woche  

42/2016
 

Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der Herr den Sabbattag und heiligte ihn.

2. Mose 20,11

Dieser kurze Auszug aus den Zehn Geboten zeigt, dass der Ruhetag, den Gott eingeführt hat, auch eine symbolische Bedeutung hat. Gott hat eine „Kathedrale aus Zeit“ errichtet, damit man seiner Schöpfung gedenkt. Bei der Wiederholung der Zehn Gebote im fünften Mosebuch wird der Ruhetag allerdings anders begründet - nicht mit der Schöpfung der Welt, sondern mit der Befreiung aus der Versklavung in Ägypten (vgl. 5 Mo 5,15). Beides passt gut zusammen, denn Gott hat die Macht, beides zu tun - zu schaffen und zu befreien. Gott gibt das, was er geschaffen hat, nicht einfach dem Untergang und der Erniedrigung preis, sondern setzt sich für die Menschen ein. Er überlässt uns nicht einfach unserem Schicksal (dem ewigen Tod), sondern rettet uns und ist in glücklichen und schweren Stunden bei uns.
Wir brauchen dieses Mahnmal, den Sabbat, denn seine Ehre als Schöpfer wird Gott weithin abgesprochen. Dort aber, wo Gott seine Würde genommen wird, verliert sie auch der Mensch. Dann fangen Menschen an, einander auszunutzen und zu erniedrigen.

Der gleiche Herr, der im Alten Testament den Sabbat segnete, bezeichnete sich im Neuen Testament als „Herr über den Sabbat“ und fügte hinzu, dass der Mensch nicht für den Sabbat, sondern der Sabbat für den Menschen gemacht sei (Mk 2,27-28). An diesem Tag befreite Jesus mehrfach Menschen aus ihrer körperlichen Not (vgl. z. B. Mk 3,1-5; Lk 14,1-5). Damit erhält der Tag eine besondere Note: Der Sabbattag ist nicht in erster Linie ein Gebot, sondern ein Geschenk. Darum ist auch nicht die entscheidende Frage, was man am Sabbat „tun darf“, sondern womit ich Gott Ehre und Mitmenschen eine Freude bereiten kann.

Ich habe am Sabbat Gelegenheit, auszuruhen und zu entspannen. Das bringt mich auf andere Gedanken und gibt mir Kraft für die anstrengende Arbeitswoche. Ich kann an dem Tag Menschen treffen, die so glauben wie ich. Das ermutigt mich, weil ich in meinem Glauben nicht allein bin. Ich kann in der Natur unterwegs sein. Da brauche ich nicht weit zu gehen, um auf Zeichen der Kreativität Gottes zu stoßen. Das ermuntert mich, selbst kreativ zu sein. Sabbat - der Tag zum Aufatmen. Danke, lieber Gott!

Matthias Müller


© Advent-Verlag Lüneburg


43/2016 | 41/2016