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24/2016
 

Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, und zwar Gnade um Gnade.

Johannes 1,16 (Elberfelder Bibel)

Johannes stellte uns zu Beginn seines Evangeliums Jesus Christus vor und beschrieb ihn von verschiedenen Perspektiven und mit anschaulichen Bildern. In unserem Andachtstext fallen uns zwei Begriffe auf: Fülle und Gnade.

Fülle wird anschaulich, wenn wir zum Beispiel an einen Kirschbaum denken. Im Frühling besteht er aus einem Blütenmeer und im Sommer ist er übervoll mit roten Kirschen. Von dieser Fülle können wir nach Herzenslust essen.

Das Thema Fülle ist geradezu programmatisch im Johannesevangelium: Jesus verwandelte Wasser in Wein, und zwar 600 Liter vom allerbesten. Er versprach der Frau in Samarien Lebenswasser, das sie nie mehr durstig werden lasse. Jesus speiste eine große Menschenmenge mit fünf Broten und zwei Fischen. Alle wurden satt und es blieben noch zwölf Körbe voll übrig. Jesus als der gute Hirte gibt seinen Schafen das Leben „in Fülle“ (Joh 10,10b EÜ). Das Johannesevangelium bezeugt Jesus immer wieder als den, der uns die göttliche Fülle bringt. Das kann er deshalb tun, weil er selbst Gott in Fülle ist.

Gnade bedeutet in unserem Sprachgebrauch Gunst und Huld, auch Schonung und Milde, und meint in der Bibel das Erbarmen Gottes. Da hat eine Frau die Ehe gebrochen und ihren Mann betrogen. Darauf stand die Todesstrafe - ein Richter sollte die Frau verurteilen. Aber Jesus sagte schließlich: „Ich verurteile dich auch nicht. Du kannst gehen; aber tu diese Sünde nicht mehr!“ (vgl. Joh 8,11 GNB) Das ist Gnade!

Johannes berichtete von dieser Begebenheit mit Jesus und machte damit deutlich, dass Jesus Gnade in Fülle gebracht hat, ja dass er selbst dieser gnädige und erbarmende Gott ist. Die gesamte Botschaft des Johannesevangeliums macht am Wirken von Jesus deutlich: Gnade ist Leben, ist Erlösung und Befreiung, ist Gotteskindschaft, ist ewiges Leben!

Diese Gnade in Fülle hat Jesus Christus gebracht, diese Gnade dürfen wir nehmen - und zwar unbegrenzt. Johannes nahm hier ja eine zweifache Steigerung vor. Er sagte nicht: Wir haben Gnade empfangen. Punkt. Sondern er schrieb: „Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, und zwar Gnade um Gnade.“ Es ist genug Gnade da! Für alle! Überall! Immer wieder!

Roland E. Fischer


© Advent-Verlag Lüneburg


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