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17/2016
 

Wenn jemand sich am Eigentum eines anderen vergangen hat ... soll er seine Schuld bekennen und dem Geschädigten Wiedergutmachung leisten.

4. Mose 5,6-7a (Gute Nachricht Bibel)

In der Lokalzeitung meiner Heimatstadt las ich den folgenden Bericht: „Eine 72-jährige Frau wurde am Montagmittag verfolgt, als sie mit ihrem Fahrrad vom Einkaufen kam. Der andere Radfahrer nahm sich während der Fahrt ihren Geldbeutel aus dem hinteren Fahrradkorb heraus und flüchtete unerkannt. Doch der Dieb fuhr zu der Dame nach Hause und gab ihr das Portemonnaie mit jedem Euro und Cent zurück. Unter Tränen entschuldigte er sich für den Diebstahl. Als Rechtfertigung nannte er finanzielle Probleme. Er versprach ihr, dass er so etwas nie mehr machen will und bot ein Paket Kaffee als Entschädigung an.“

Dieser Mann hat das oben zitierte Gebot praktisch ausgelebt. Ich bewundere diesen Dieb für seine Aufrichtigkeit. Er bereute seine Tat und versuchte, seinen Fehler sofort wiedergutzumachen.

Sich selbst ein Versagen oder eine Schuld einzugestehen ist ja schon schwer genug. Oft ist es einfacher weiterzumachen, als wäre nichts gewesen, es zu vertuschen, „Gras über die Sache wachsen zu lassen“. Doch anderen Menschen sein Fehlverhalten einzugestehen, um Vergebung zu bitten und die Konsequenzen zu ziehen ist eine ungleich größere Herausforderung. Man macht sich angreifbar und verletzlich.

Doch es ist ein Trugschluss zu meinen, das Eingestehen von Schuld mache einen unglaubwürdig und sei ein Zeichen von Schwäche. Genau das Gegenteil ist der Fall! Bundeskanzler Willy Brandt erhielt für seinen Kniefall vor dem Denkmal des Warschauer Ghettos weltweite Anerkennung. Mit dieser demütigen Geste bekannte er die deutschen Verbrechen während des Zweiten Weltkrieges und bat symbolisch um Vergebung. Dafür erhielt er 1971 den Friedensnobelpreis.

Weil wir alle mit Fehlern behaftet sind, ist es authentisch, Schuld einzugestehen und um Vergebung zu bitten. Und dafür gibt es nicht nur Respekt von dem Geschädigten, sondern vor allem auch Vergebung von Gott, denn Johannes versicherte: „Wenn wir aber unsere Verfehlungen eingestehen, können wir damit rechnen, dass Gott treu und gerecht ist: Er wird uns dann unsere Verfehlungen vergeben und uns von aller Schuld reinigen.“ (1 Joh 1,9 GNB)

Rafael Schäffer


© Advent-Verlag Lüneburg


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