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06/2016
 

Wie ein Vogel, der aus seinem Nest flüchtet, so ist ein Mann, der aus seiner Heimat flieht.

Sprüche 27,8

„Am 4. Dezember 2000 erklärte die UN-Generalversammlung mit der Resolution 55/76 ... den 20. Juni zum Weltflüchtlingstag. Die Wahl fiel auf dieses Datum, weil der 20. Juni zuvor in etlichen Ländern bereits Afrika-Flüchtlingstag gewesen war. Jährlich zum Weltflüchtlingstag veröffentlichen die Vereinten Nationen einen Jahresbericht. Diesem zufolge befanden sich Ende 2013 über 51 Millionen Menschen auf der Flucht, darunter mehr als 33 Millionen Männer, Frauen und Kinder im eigenen Land. Die Zahl der Flüchtlinge hatte damit den höchsten Stand seit dem Zweiten Weltkrieg erreicht. Hauptaufnahmeländer für Flüchtlinge sind Pakistan, Iran und Libanon.“ (Wikipedia)

1945, zum Ende des Zweiten Weltkrieges vor 70 Jahren, waren 12 bis 14 Millionen Menschen in unserem Land auf der Flucht. Sie haben Schlimmes erlebt, sind entwurzelt worden, haben Angehörige verloren. Das ist - historisch gesehen - alles noch gar nicht lange her. Inzwischen gehören die damaligen Flüchtlinge längst dazu. Ihre Kinder, die in unserem Land aufgewachsen sind, sind hier zu Hause.

Flüchtlinge haben es schwer. Ihnen fehlt die Erfüllung wesentlicher Grundbedürfnisse. Menschen brauchen die Erfahrung von Identität, Zugehörigkeit und Geborgenheit, einen Ort, an dem sie „wohnen“. Manchmal ist zwar wieder ein äußerer Wohnort vorhanden, aber die Seele hat noch kein Zuhause gefunden.

Es gibt Flüchtlinge, die in unserem Land wohnen, unsere Sprache sprechen, bei uns aufgewachsen sind, zu uns gehören, mit uns den Gottesdienst besuchen - und dennoch sind viele von ihnen noch nicht angekommen. Sie sind auf der Suche - nach Identität, Zugehörigkeit, Geborgenheit und Sinn. Sind unsere Kirchengemeinden und Familien solche Orte der Geborgenheit?

Manchmal lässt es die Biografie eines Menschen nicht zu, dass er sich wirklich in sich selber zu Hause fühlen kann. Vielleicht bist du auch noch nicht zu Hause angekommen? Dann mach dich einfach auf den Weg wie der Sohn, der sich entschloss: „Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen“ (Lk 15,18a), und der Vater „fiel ihm um den Hals und küsste ihn“. (V. 20) Willkommen zu Hause, beim Vater!

Heidemarie Klingeberg


© Advent-Verlag Lüneburg


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