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02/2015
 

„… damit sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein.“

Johannes 17,21a

Viele Gläubige sehnen sich danach, in ihren Gemeinden Einigkeit – das Einssein – zu erleben. Damit meinen sie oft, dass es keine Spannungen und Meinungsunterschiede geben darf. Ist diese Art von Einssein das, was Jesus in seinem hohenpries- terlichen Gebet (Joh 17) meinte, und zwar sowohl im Blick auf die einzelnen Gemeinden als auch auf die gesamte Christenheit (wie viele Ausleger mei- nen)?

Jesus betete hier nicht für das Miteinander der Gemeindeglieder, sondern für das persönliche Eins- sein der Gläubigen mit ihm und dem Vater. So wie er mit dem Vater eins war und ist, so sollten alle, die durch das Zeugnis der Apostel zum Glauben kommen (V. 20), mit ihm eins sein, d. h. zu ihm eine enge Beziehung haben und mit ihm verbun- den leben.

Jesus zählte auf, was gläubige Menschen erkannt haben und wie er sie beschenken wollte: Die Gläubigen wissen, dass Gott seinen Sohn in diese Welt gesandt hat, weil er sie liebt (V. 23b). Christus hat ihnen seine Herrlichkeit gegeben (V. 22), d. h. Glanz und Ehre für die Erlösten, die zu einem neu- en Leben auferstehen und Christus in seiner Herr- lichkeit sehen werden (V. 24). Sie dürfen Erlösungs- gewissheit haben, weil sie wissen, was Jesus auch weiterhin für sie tut: „Und ich habe ihnen deinen Namen [das Wesen des Vaters] kundgetan und wer- de ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen.“ (V. 26)

Sie leben so, dass die Menschen um sie herum erkennen, dass Gott die Welt liebt und Christus der von Gott gesandte Erlöser ist (V. 23). Weil Gottes Liebe in ihnen ist, werden sie dann auch das neue Gebot Jesu erfüllen können: „Ihr sollt einander lie- ben! Genauso wie ich euch geliebt habe, sollt ihr einander lieben! An eurer Liebe zueinander wer- den alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid“ (Joh13,34–35 GNB)

Unterschiedliche Sichtweisen und kontrover- se Diskussionen sind kein Zeichen dafür, dass es das persönliche Einssein mit Jesus in der Gemein- de nicht gibt oder die Einigkeit bei offenen Fragen nicht möglich wäre.
Jeder, der aus dieser von Jesus erbetenen Bezie- hung mit ihm und dem Vater lebt, wird zur Liebe untereinander und damit auch zum Gemeindefrie- den beitragen können.

Harald Weigt


© Advent-Verlag Lüneburg


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