You are here: Andacht der Woche  

52/2014
 

Und weil der Ungehorsam gegen Gottes Gesetz überhandnimmt, wird die Liebe bei den meisten von euch erkalten.

Matthäus 24,12 (Gute Nachricht Bibel)

Jeder elfte Deutsche ist blind gegenüber Gefühlen – laut Prof. Dr. Isabella Heuser, Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Berliner Charité. Gefühlsblinde Menschen sind nicht in der Lage, Gefühle und Stimmungen anderer Menschen richtig zu deuten und ihre eigenen Empfindungen Anderen mitzuteilen. Liebe, Glück oder Trauer sagen ihnen nichts: Sie verfügen nicht über die Fähigkeit, Gemütsbewegungen zu lesen. Soziale Kontakte zu pflegen, bereitet ihnen größte Mühe.

Dabei ist Alexithymie – so der Fachbegriff für Gefühlsblindheit – keine Krankheit, sondern ein Merkmal, das durch genetische Faktoren sowie durch die Prägung verursacht wird, die ein gefühlsblinder Mensch in seinem Leben erfährt. Die Betroffenen sind in der Regel kurz angebunden und sprechen ungern über Gefühle; Sachthemen ziehen sie vor und sind ihnen wichtiger.
Frauen und Männer in Führungspositionen können heute in der Regel nur erfolgreich sein, wenn sie über „emotionale Intelligenz“ verfügen. Diese Menschen nehmen Stimmungen und Gefühle wahr, können sich in Andere hineinversetzen, machen Mut und führen letztlich ihre Mitarbeiter zum Erfolg.

Solche Qualitäten sind ohne teure Seminare auch für „normale Menschen“ erlernbar. Beobachte dich einmal, wie du anderen, auch fremden Menschen begegnest. Lächelst du sie an? Interessierst du dich für sie? Sprichst du sie an und kannst du ihnen zuhören?

Jesus begeisterte Tausende Zeitgenossen. Er hörte den Leuten zu, fühlte, litt und feierte mit ihnen. Sein Herz war offen für Kinder, Gestrauchelte und Mutlose. Sein Lachen und seine Freundlichkeit waren nicht einstudiert, sondern ein aufrichtiges Weitergeben der Liebe Gottes an die Menschen.

Echte Christen können – auch in einer „kalten“ Welt – niemals gefühlsblind sein. Sie nähren ihre „emotionale Sehkraft“ aus der nie versiegenden Quelle göttlicher Liebe. Sie finden sich nicht mit lieblosen Zuständen ab und helfen Anderen, sich ihrer Gefühlsblindheit zu entledigen. Sie sind fest davon überzeugt: „Auch wenn alles einmal aufhört – Glaube, Hoffnung und Liebe nicht. Diese drei werden immer bleiben; doch am höchsten steht die Liebe.“ 1 Kor 13,13 (GNB)

Martin Haase


© Advent-Verlag Lüneburg


01/2015 | 51/2014