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32/2014
 

Herr, du erforschest mich und kennest mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne. Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege.

Psalm 139,1-3

Nie war sie größer als heute, die Angst vor dem „gläsernen Menschen“, und nie zuvor so berechtigt. „Intelligente Technologien“ – Kurzform IT (ei-tie) -waren und sind eigentlich dafür gedacht, uns das Leben in allen Bereichen leichter, bequemer und erfreulicher zu machen, aber nicht, um uns auszuspähen.

Ich kann mich noch gut an die Zeiten erinnern, als Zukunftsforscher davon schwärmten, wie angenehm es sein würde, ein Leben aus Freizeit, Urlaub und Vergnügen führen zu können. Das ist inzwischen lange her, und die Wirklichkeit sieht ganz anders aus. Viele haben trotz totaler Vernetzung mehr Arbeit als je zuvor, der Stress bringt Zehntausende an den Rand ihrer körperlichen Kräfte, und seit die Zugriffsmöglichkeiten von Arbeitgebern, Behörden, Polizei und Geheimdiensten ausgeweitet wurden, zeigt sich: Nicht der „gläserne“, sondern der total vernetzte Mensch ist das Problem. Überall hinterlassen wir unsere Datenspuren. Und wer sich ernsthaft auf diese Spuren setzt, der meint es selten gut mit uns.

Einer allerdings ist ganz anders – der Eine, der wirklich alles weiß und alles kann, weil er das ganze Universum geschaffen hat und in seinen Händen hält. Er braucht keine Datenwolken und keine Vorratsdatenspeicherung, um zu wissen, was wir empfinden, welche Sorgen uns drücken und welche Probleme heute vor uns liegen. Er weiß viel besser über uns Bescheid als wir selbst. Vor ihm können wir weder uns noch unser tatsächliches Befinden verstecken. Und wenn er sich auf unsere Spur setzt, dann meint er es auf der ganzen Linie gut mit uns – und genau das ist der entscheidende Unterschied.

Gott war uns längst auf unserer Spur, als wir noch gar nichts von ihm wissen wollten. Er hat schon auf uns gewartet, als wir noch ganz andere Pläne und Ziele hatten, und alles dafür getan, dass wir endlich nach Hause finden, zu ihm. Er wartet auch heute, vielleicht gerade auf dich. Du darfst nach Hause kommen, zu ihm, dem Einen, der es wirklich von Herzen gut mit dir meint. Dass du dich (auch) heute ihm anvertraust und deine Wege mit ihm gehst, das hoffe ich.

Friedhelm Klingeberg


© Advent-Verlag Lüneburg


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