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30/2014
 

Jesus antwortete ihr: „Dein Glaube ist groß. Was du erwartest, soll geschehen.“ Im selben Augenblick wurde ihre Tochter gesund.

Matthäus 15,28 (Hoffnung für alle)

Was vor dieser erlösenden Zusage von Jesus berichtet wird, ist ungeheuerlich. Da kam eine Frau zu ihm, weil sie seine Hilfe brauchte. Ihre Tochter war in großer Not, aber Jesus verweigerte ihr die erbetene Hilfe. Er sei nur zum Volk Israel gesandt und nicht zu denen, die keine Juden sind, sagte er (V. 24). Doch die Mutter ließ sich nicht abwimmeln. Da reagierte Jesus schroff: „Es ist nicht richtig, wenn man den Kindern [dem erwählten Volk] das Brot wegnimmt und es den Hunden [den Heiden] vorwirft.“ (V. 26 Hfa) Das klingt hart und verletzend. Warum tat Jesus so etwas?

So unbegreiflich wie hier die Handlungsweise von Jesus ist, weil sie so unvereinbar mit seiner Güte erscheint, so unverständlich ist mir manchmal Gott. Warum greift er nicht ein? Warum bleibt manches Gebet so lange Zeit unerhört? Warum werden Hilfsbedürftige auch noch erniedrigt?

Immer wieder erlebe ich, dass ich Gott nicht verstehe. Wenn ich dann aber weiter auf Jesus schaue, fällt mir etwas auf. „Ihm brauchte niemand etwas über die Menschen zu sagen, denn er wusste, was in jedem Menschen vor sich geht.“ (Joh 2,25 Hfa) Jesus erkannte, wie sehr diese Frau ihm vertraute. Er wusste, wie stark ihr Glaube war und er vertraute darauf, dass sie sich nicht von seiner Reaktion abweisen ließ.

Diesen starken Glauben wollte er allen zeigen, darum mutete er ihr viel zu. Er konnte es, weil er sie kannte und ihr vertraute. Und sie enttäuschte ihn nicht: „Ja, Herr“, erwiderte die Frau, „aber die kleinen Hunde bekommen doch auch die Krümel, die vom Tisch ihrer Herren herunterfallen.“ (V. 27 Hfa)

Solch ein Vertrauen brauchen wir, einen Glauben, der auch dann an Jesus festhält und auf Gott vertraut, wenn es nicht so läuft, wie wir es erwarten. Gottes Wort sichert uns zu: „Aber Gott ist treu und wird nicht zulassen, dass die Prüfung über eure Kraft geht. Wenn er euch auf die Probe stellt, sorgt er auch dafür, dass ihr sie bestehen könnt.“ (1 Kor 10,13 GNB) Gott kennt uns und er vertraut darauf, dass wir ihm selbst dann vertrauen, wenn wir sein Handeln nicht verstehen.

Ein Glaube, der sich nicht auf die eigenen Vorstellungen, sondern auf die Glaubwürdigkeit Jesu verlässt, hat Kraft. Er befähigt zum Durchhalten. Jesus möchte, dass auch wir so glauben, denn solch ein Vertrauen hat Zukunft.

Lothar Wilhelm


© Advent-Verlag Lüneburg


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