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27/2014
 

Ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.

Jeremia 31,34c

Die Bibel macht sehr deutlich, dass Ungehorsam, Eigenwilligkeiten und „Missetaten“ von Gott trennen. Im Alten wie auch im Neuen Testament fordert Gott dazu auf, „krumme Wege“ zu verlassen. Wir sollen uns Ihm anvertrauen.
Jesus war dabei sehr radikal. Er forderte: „Wenn aber deine Hand oder dein Fuß dich zum Abfall verführt, so hau sie ab und wirf sie von dir. Es ist besser für dich, dass du lahm oder verkrüppelt zum Leben eingehst, als dass du zwei Hände oder zwei Füße hast und wirst in das ewige Feuer geworfen.“ (Mt 18,8) Amputationen verursachen Schmerzen, sind aber in der Regel der einzige Weg, um am Leben zu bleiben.

Auch im geistlichen Bereich sind Trennungen unvermeidlich. Okkulte Einflüsse, trügerische Begierden und Süchte jeglicher Art belasten nicht nur, sondern vergiften unser Leben mehr und mehr. Radikale Veränderungen sind notwendig. Gott lässt uns in solchen Entscheidungsphasen nicht allein. Er sichert uns seine Hilfe und seine Kraft zur Heilung zu. Unser Andachtstext sagt, dass Gott „unsere Missetaten vergeben und ihrer nimmermehr gedenken“ will.

Interessant ist, dass Patienten, denen ein Körperteil amputiert wurde, oftmals über sogenannte Phantomschmerzen klagen. Sie haben die Empfindung, dass der abgetrennte Körperteil immer noch vorhanden ist. Meist sind diese Empfindungen schmerzhaft und belastend. Lange nahm man als Ursache dafür eine Irritation der durchtrennten Nerven an. Therapien, die auf dieser Theorie basierten, waren aber durchweg Fehlschläge. In extremen Fällen amputierten Chirurgen ein zweites Mal und entfernten die „entzündeten Nervenenden“, um den Patienten von seinen Schmerzen zu befreien. Stattdessen verstärkten sich die Schmerzen. Inzwischen haben Forschungen gezeigt, dass das Gehirn eine entscheidende Rolle einnimmt und sich im Laufe der Zeit reorganisieren kann.

Kennen wir solche Phantomschmerzen auch im geistlichen Bereich? Quälen uns die alten Sünden nicht auch manchmal, obwohl wir uns davon getrennt haben? Hat Gott mich davon wirklich befreit? Ist mir wirklich vergeben worden? Wenn Gott uns bei einer „Amputation“ geholfen hat, dann sollten wir uns von solchen Phantomgefühlen nicht irritieren lassen. Sein Wort gilt - und das ist wunderbar!

Günther Machel


© Advent-Verlag Lüneburg


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