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17/2014
 

Da sagte der Weinbergbesitzer … „Ich will nun einmal dem Letzten hier genauso viel geben wie dir! … Oder bist du neidisch, weil ich so großzügig bin?“

Matthäus 20,13–15 (Gute Nachricht Bibel)

Gewerkschaften kämpfen seit Langem zu Recht dafür, dass Arbeitnehmer einen fairen und gerechten Lohn bekommen. Das Leistungsprinzip ist uralt. Bei den Römern spiegelte es sich in dem Sprichwort wider: „Ich gebe, damit du gibst.“ Leistung galt als Prinzip sowohl im Umgang mit den Göttern als auch mit den Menschen.

Auch vor dem Christentum hat das Leistungsdenken nicht Halt gemacht. Immer wieder war fromme Leistung die große Versuchung. Vermutlich hat sich jeder Christ schon einmal in der Gesellschaft des Petrus befunden, der Jesus fragte: „Wir haben alles aufgegeben, um dir nachzufolgen. Was werden wir dafür bekommen? “ (Mt 19,27 NLB)

Es gibt sie wohl in jeder Kirche: die, die sich in erster Linie für die Verteidigung der Wahrheit, der reinen Lehre, einsetzen, und jene, die vor allem den Glauben betonen, „der durch die Liebe tätig ist“ (Gal 5,6b). Wir brauchen beides, sowohl die Mahnungen der einen als auch die Schärfung des Gewissens durch die anderen. Einseitigkeit ist jedoch immer gefährlich. Die einen laufen Gefahr, ihren rechten Glauben zu einer Leistung zu machen, bei den anderen können es die Taten der Liebe werden. Beides kann zu Pharisäertum führen.

In der Erzählung von den Arbeitern im Weinberg stellte Jesus den allgemein üblichen Maßstab, das Leistungsprinzip, infrage, wenn es um das Reich Gottes geht. Damit befreit er uns vom Leistungsdruck: Dem Besitzer des Weinbergs ging es nicht um die Leistung des einzelnen Arbeiters, sondern darum, dass jeder sein Auskommen hatte. Darum gab er jedem einen Denar, das war ein Tageslohn. Damit wollte er jedem Arbeiter das Gefühl vermitteln, dass er ihm etwas wert war.

Der Glaube an Christus und sein Opfer will uns von der Bewertung durch Menschen unabhängig machen, sei es innerhalb oder außerhalb der Gemeinde. Bei Gott bist du so viel wert, dass er bereit war, seinen Sohn um deinetwillen zu opfern. Das macht dich frei von Leistungszwang und auch davon, deinen Wert aus dem Vergleich mit anderen Menschen beziehen zu wollen.

Manfred Böttcher


© Advent-Verlag Lüneburg


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