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09/2014
 

Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt.

Matthäus 6,9

Wer kennt es nicht, das Vaterunser der Heiligen Schrift! Auch viele Menschen, die sonst kaum die Bibel kennen oder selten in eine Kirche gehen, können es bei besonderen Anlässen mitsprechen.

Nach dem Bericht des Lukas lehrte Jesus seine Jünger dieses Gebet aus einem besonderen Grund: Als sie ihn einmal beten hörten, waren sie anscheinend so beeindruckt von seiner Vertrautheit mit dem Vater, dass sie ihn baten: „Herr lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte.“ (Lk 11,1b) Nach dem Wortlaut im Lukasevangelium ist das Vaterunser ein „offenes Gebet“, d. h. es fehlt ein „Abschluss“ wie bei der Version nach Matthäus. Dies könnte man als eine Einladung deuten, im Anschluss daran weiter im Gespräch mit Gott zu bleiben.

Bemerkenswert ist die Anrede, die Jesus benutzte, wenn er sich mit seinem Vater im Gebet unterhielt: Das aramäische Wort für „Vater“ (Abba, siehe Mk 14,36) ist die im Familienkreis gebräuchliche Anrede, die man mit unseren Begriffen „Vati“, „Papa“ oder „Papi“ wiedergeben kann. Sie zeigt also, welch innige Verbundenheit zwischen Jesus und seinem Vater bestand.

Beim Papi sitzt man auf dem Schoß und erzählt ihm Geschichten aus seinem Leben - nicht nur die guten -, und er hört geduldig zu, runzelt manchmal die Stirn oder hat ein Lächeln auf den Lippen. Das ist eben der Vater, der mein Vertrauen genießt und es auch verdient. Leider gibt es viele Kinder, die entweder ohne Vater oder aber ohne einen solchen Papa aufgewachsen sind. Weil aber wohl jeder Mensch eine Vorstellung dessen in sich trägt, wie ein guter Vater sein kann, lehrte Jesus seine Jünger - und damit auch uns -, im himmlischen Vater solch einen „Papa“ zu erkennen und sich vertrauensvoll an ihn zu wenden.

Ob sie sich nach einer Beziehung dieser Art sehnten? Anscheinend schon, sonst wären sie nicht von der Art und Weise beeindruckt gewesen, in der Jesus mit seinem Vater kommunizierte. Jedenfalls sehnt sich Gott sicher danach, dass zwischen uns und ihm eine solche vertraute Beziehung entsteht.

Daran will ich gern denken, wenn ich wieder eine Gebetszeit habe. Aber auch jetzt, nach dem Lesen dieser Andacht, hindert dich niemand daran, dich an ihn zu wenden, ihm für seine große Vaterliebe zu danken und ihn zu bitten, dass er deine Beziehung zu ihm vertieft und mit viel Vertrauen erfüllt.

Rainer Knoll


© Advent-Verlag Lüneburg


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