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51/2013
 

Christus [ist] einmal geopfert worden, die Sünden vieler wegzunehmen; zum zweiten Mal wird er nicht der Sünde wegen erscheinen, sondern denen, die auf ihn warten, zum Heil.

Hebräer 9,28

Als ich fünf Jahre alt war, wollte ich zum Leidwesen meiner Eltern unbedingt katholischer Priester werden. Die „passende“ Konfession stellte sich wenig später dann doch noch ein, aber ein Stück meiner kindlichen Faszination von damals ist bis heute geblieben. Nirgendwo duftet es so gut wie in einer katholischen Kirche unmittelbar nach der Messe. Die Luft ist schwer vom Weihrauch, auch das Atmen fällt ein bisschen schwer, aber man bekommt sie lange nicht mehr aus der Nase, diese Mischung aus Weihrauch und Myrrhe.

Ganz ähnlich dürfte es in der Stiftshütte bzw. im Tempel von Jerusalem geduftet haben, damals zur Zeit des alttestamentlichen Opferdienstes. Alttestamentlich? In der Tat, das könnte die Faszination des katholischen Gottesdienstes und seiner eindrucksvollen Zeremonien erklären. Und genau das ist der Punkt, an dem mir angesichts der Ernsthaftigkeit und Hingabe vieler meiner katholischen Mitchristen förmlich das Herz blutet. Sie würden alles tun, um mit Gott ins Reine zu kommen. Hunderte von Kilometern wallfahren sie zu Fuß nach Altötting, Lourdes oder Fatima. Sie nehmen ganz buchstäblich ihr Kreuz auf sich, knien im Staub, um vor dem Allmächtigen Gnade zu finden. Die tägliche Messfeier ist das Mindeste, was sie tun. Sie hoffen auf den Mittlerdienst des Priesters, der am Altar steht, und nehmen die Hostie als „Leib des Herrn“. Wer sagt ihnen die Botschaft unseres Andachtswortes? Wer nimmt ihnen diese Last ab und führt sie zur Erlösung in Christus, der doch längst auch für sie alles getan hat und nicht erneut (in der Eucharistie) geopfert werden muss?!

Aber weshalb spreche ich eigentlich nur von meinen katholischen Mitchristen? Vielleicht ist genau das ja auch deine Not, der oder die du faktisch schon seit Jahrzehnten die Wahrheit des Evangeliums kennst und den Weg mit Jesus gehst. Was hindert dich noch daran, den wunderbaren „Heilandsruf“ aus Matthäus 11,28 auch für dich ganz persönlich in Anspruch zu nehmen? Er hat auch deine Schuld längst bezahlt und deine Last auf sich genommen. Weil das so ist, darfst du schon hier und jetzt als sein geliebtes Kind durch diesen Tag gehen. Diese Erfahrung wünsche ich dir!

Friedhelm Klingeberg


© Advent-Verlag Lüneburg


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