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33/2013
 

Unser Vater im Himmel!

Matthäus 6,9b

Die Israeliten haben Gott nur selten mit „Vater“ angeredet. Er war der HERR, der die Welt geschaffen hatte und ihnen durch seine Gebote Wegweisung gab. Sie wussten genau: Wenn sie gegen seinen Willen handelten, konnte er ihnen seinen Segen entziehen und sie die Folgen ihres Ungehorsams fühlen lassen. Gott erzog sie, wie sie selbst ihre Kinder erzogen. Waren sie dann ohne Gottes Schutz in Not und Leid geraten und baten reuevoll um Hilfe, konnte er zu ihnen aber auch ganz liebevoll sagen: „Ich will euch trösten wie einen seine Mutter tröstet.“ (Jes 66,13)

Dieser Selbstvergleich Gottes zeigt, dass er in unserer Vorstellung nicht auf das Wesen eines Mannes beschränkt werden will. Er ist ein Gott mit väterlichen und mütterlichen Gefühlen. Es gibt gläubige Menschen, die einen „weiblichen“ Gott vorziehen, weil sie das „Vater im Himmel“ zu irdisch verstehen und sich gefühlsmäßig nicht von negativen Erlebnissen mit ihrem eigenen Vater lösen können.

Gott hat die Gefühle beider Geschlechter geschaffen. Er erzieht uns mit Strenge und Liebe zugleich; er hat für jeden von uns Verständnis und fühlt in Freud' und Leid mit uns. Es ist Freude im Himmel, wenn ein Mensch zum Glauben kommt (Lk 15,10); und über das bevorstehende Leid der Israeliten bei der Zerstörung Jerusalems hat Jesus, der das Wesen des Vaters im Himmel geoffenbart hat, geweint (Lk 19,41-44).

Für viele passt gerade Letzteres nicht zu einem allmächtigen Gott und Vater. Er hätte doch, so meinen sie, die Zerstörung der Stadt verhindern können. Kann ein Vater verhindern, dass sein Sohn seinen eigenen Kopf durchsetzt und partout in die falsche Richtung geht (wie damals das Volk Israel)? Er kann es mit väterlicher Strenge versuchen, indem er ihn enterbt, aus dem Haus wirft und sich von ihm lossagt. Am Ende kann er nur noch trauern.

Vom ersten Tag der Begegnung mit uns Menschen an bis heute wirbt Gott in seinem Wort um Vertrauen. Vertrauen kann kein Vater erzwingen. Auch Gott tut das nicht. Paulus schrieb, dass wir - frei von Angst - „zu Gott kommen und zu ihm ,Vater, lieber Vater' sagen“ dürfen (Röm 8,15c).

Gott ist nicht nur für die einen oder für die anderen der liebe Vater. Er ist unser Vater, d. h. der hörbereite Vater für alle, die ihn anbeten. Die ihn nicht anbeten, sind auch seine geliebten Geschöpfe, selbst wenn sie es nicht erkennen. Er ist ein Vater, dem wir vertrauen können.

Harald Weigt


© Advent-Verlag Lüneburg


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