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32/2013
 

Wer die Botschaft Gottes nur hört, aber nicht danach handelt, ist wie ein Mensch, der in einen Spiegel blickt: Er sieht sich, wie er ist, und betrachtet sich kurz. Aber dann geht er weg -und schon hat er vergessen, wie er aussah.

Jakobus 1,23 (Gute Nachricht Bibel
)

Raben, Krähen und Elstern sind die wohl intelligentesten Vögel überhaupt, obwohl ihr Gehirn nur so groß ist wie eine Walnuss. In Tokio wurden Raben beobachtet und gefilmt, die sich die Nüsse von vorbeifahrenden Autos knacken ließen. Sie benutzten Zebrastreifen, deponierten die Nüsse nur dann, wenn die Autos Rot hatten und holten sich seelenruhig ihren Snack bei der nächsten Rotphase.

Versuche zeigten auch, dass Raben und Elstern ihr eigenes Spiegelbild erkennen können. Bis dahin war man davon ausgegangen, dass diese Fähigkeit nur Menschen und wenigen Säugetieren vorbehalten war. Forscher markierten Tiere. Diese versuchten, nachdem sie sich selbst im Spiegel sahen und die Unregelmäßigkeit an sich entdeckten, die farbigen Punkte zu entfernen.

In unserem Andachtstext wird diese Fähigkeit beim Menschen mit dem Hören auf das Wort Gottes und dem Praktizieren des Gelernten verglichen. Die Bibel erfüllt nämlich unter anderem die Funktion eines Spiegels. Sie beschreibt beides - den Menschen in seiner ursprünglichen Vollkommenheit und in seinem jetzigen Elend aufgrund der Sünde. Wer beide Beschreibungen mit seinem eigenen Zustand vergleicht, wird - Ehrlichkeit vorausgesetzt - deutlich merken, wie viele „schwarze Flecken“ seinen Charakter verunstalten.
Wer versucht, diese Selbsterkenntnis zu verdrängen und zu vergessen, handelt töricht - so die Aussage unseres Andachtstextes. Naiv wäre allerdings auch der Versuch, sich selbst von der Sünde, die uns durch und durch prägt, befreien zu wollen. Genausowenig wie ein Leopard seine Flecken abstreifen kann, können wir aus eigener Kraft Gutes tun (siehe Jer 13,23).

Das müssen wir auch nicht: Der „Spiegel“ Bibel wirft nicht nur unser Selbstbild zurück, sondern sie stellt uns auch Jesus Christus, den vollkommenen, sündlosen, menschgewordenen Sohn Gottes vor. Und je intensiver wir uns mit ihm befassen, desto ähnlicher werden wir ihm: „Wir können die Herrlichkeit des Herrn wie in einem Spiegel sehen. Und der Geist des Herrn wirkt in uns, sodass wir ihm immer ähnlicher werden und immer stärker seine Herrlichkeit widerspiegeln.“ (2 Kor 3,18 NLB) Welch ermutigende Aussicht!

Elí Diez-Prida


© Advent-Verlag Lüneburg


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