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25/2013
 

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.

Psalm 23,1.2

Manchen Christen ist dieser Psalm so vertraut, dass sie ihn auswendig können und auch gern beten. Ich frage mich, warum er so beliebt ist. Die Antwort liegt wohl darin, dass David in dem Psalm aus eigenen Erfahrungen schreibt. Er war schon als Jugendlicher selbst Hirte. Sein Vater Isai hatte ihm seine Herde anvertraut. Und David nahm seine Verantwortung für sie ernst, denn er liebte die Schafe. Darum suchte er für sie stets nach der besten Weide und führte sie rechtzeitig an eine Tränke. Dieses Sorgen für seine Herde übertrug David dann auf sein Verhältnis zu Gott. So treu, wie er für seine Schafe gesorgt hat, würde Gott als guter Hirte für ihn sorgen.

Seine finsteren Täler (Ps 23,4a) durchschritt David, als ihn Saul aus Eifersucht hasste, verfolgte und ihm nach dem Leben trachtete. Er musste sich immer wieder in dunklen Schluchten und finsteren Höhlen verbergen. Aber so, wie er mit seinem Hirtenstab die Gefahren durch Raubtiere von seiner Herde fern hielt, wusste er sich auch durch Gottes Schutz vor seinen Feinden behütet.

Aufgrund der vielen guten Erfahrungen mit dem Herrn konnte er getrost und zuversichtlich in die Zukunft blicken: „Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.“ (V. 6)

Seine Schafe waren David ans Herz gewachsen, aber vor allem anderen liebte er Gott, seinen Hirten. Darum konnte er auch über beide von Herzen schreiben. Was aber von Herzen kommt, das kann auch wieder andere Herzen erreichen. Hier liegt wohl das tiefere Geheimnis, warum dieser Psalm so beliebt geworden ist.

Auch wenn unser Lebensweg ganz anders als der von David verläuft, will Jesus auch heute noch unser guter Hirte sein. So hat er sich uns vorgestellt: „Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen.“ (Joh 10,14) Ihm können wir uns völlig anvertrauen. Wenn das geschieht, werden wir auch heute noch ähnliche Erfahrungen machen, wie sie David vor 3000 Jahren geschenkt wurden. Dadurch wird der 23. Psalm auch zu unserem Psalm. Dies wünsche ich jedem, der diese Andacht liest, von ganzem Herzen!

Reinhold Paul


© Advent-Verlag Lüneburg


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