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20/2013
 

Du sollst dich nicht rächen noch Zorn bewahren gegen die Kinder deines Volks. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst; ich bin der Herr.

3. Mose 19,18

Heute schon ein Kompliment bekommen? „Danke, Sie sind aber nett!“, oder: „Du siehst heute aber gut aus.“ Nein? Schade! Komplimente tun gut.

„Das hast du super gemacht!“ „Sie waren mir eine große Hilfe!“ Heute schon ein Kompliment vergeben? Nicht? Schade, denn das sagt möglicherweise mehr über dich selbst aus als über deine Mitmenschen. Der Psychologe Dustin Wood von der Wake Forest Universität im US-Bundesstaat North Carolina fand in einer Untersuchung heraus, dass unsere Wahrnehmung anderer Menschen viel über unsere eigene Persönlichkeit offenbart. Wie positiv man andere Menschen sehe, so glücklich, gutherzig und emotional stabil sei man selbst, schreibt er in der Fachzeitschrift Journal of Personality and Social Psychology. Wer gut über Andere sprach, war eher zufrieden, mental gesund und sozial verträglich; wer schlecht über Andere sprach war selbst häufiger selbstbezogen und unsozial (Meldung der Welt vom 4. August 2010).

Der oben genannte Bibeltext aus dem Alten Testament, der von Jesus u. a. im Vorgespräch zum bekannten Bericht vom barmherzigen Samariter (Lk 10,25-37) aufgegriffen wird, zeigt ebenfalls einen Zusammenhang zwischen der eigenen Haltung gegenüber sich selbst und dem Mitmenschen auf. Gott verbot dort die Rache, die heutzutage meist nicht blutig ausgeübt wird, sondern beispielsweise in übler Nachrede bestehen kann. Gleichzeitig mahnte er, den Mitmenschen zu lieben wie sich selbst und bekräftigte dies mit dem Nachsatz „Ich bin der HERR“.

Wir verstehen dieses Gebot der Nächstenliebe meist so, dass wir an der Liebe, die wir uns selbst gegenüber haben, Andere im gleichen Maß teilhaben lassen. Aber wenn ich über mich selbst schlecht denke, darf ich dann auch über Andere schlecht denken und reden? Das Racheverbot legt nahe, diese Frage mit „Nein“ zu beantworten.

Im Übrigen ist die Nächstenliebe keine Einbahnstraße. Wenn ich mir angewöhne, gut über Andere zu denken und zu reden, wirkt das positiv auf mich selbst zurück. Denn dadurch verändert sich meine Weltsicht, weil ich jetzt viel mehr positive Menschen um mich herum bemerke als vorher. Und ich bekomme vielleicht sogar Komplimente, weil ich welche verteile. Wir können es ja heute einmal ausprobieren!

Thomas Lobitz


© Advent-Verlag Lüneburg


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