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48/2020
 

Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein.

Lukas 15,24


Vor einiger Zeit ging eine Meldung durch die Presse: „Sohn findet verschollenen Vater nach zwölf Jahren wieder.„ Die Wiedersehensfreude war riesig. So ähnlich muss der Vater im Gleichnis vom verlorenen Sohn empfunden haben, als dieser wieder auftauchte.

Im Unterschied zum Gleichnis jedoch, aus dem der heutige Bibelvers entnommen ist, war hier der Vater verloren gegangen, und zwar als Folge eines Schicksalsschlags: Als Dachdecker hatte er einen Unfall erlitten, war arbeitsunfähig geworden und hatte zu trinken begonnen. Irgendwann hatte er die Familie verlassen. Sein Abstieg hatte ihn schließlich in die Obdachlosigkeit geführt. Sein Sohn Norman, ein studierter Psychologe, der sich gerade in den USA aufhielt, fand ihn zufällig via Internet wieder – ein Bekannter hatte ihm über Facebook ein Foto aus Hamburg mit der Frage geschickt, ob das vielleicht sein Vater wäre. Er wüsste jedoch nicht, wo dieser sich gerade aufhielte. Norman postete das Foto auf Twitter, es wurde rasch tausendfach geteilt. Auf diese Weise fand ihn letztendlich jemand in Hamburg. Doch das Leben hatte beim Vater seine Spuren hinterlassen. Beispielsweise hatte er durch seinen Alkoholismus eine Demenz bekommen und war nicht mehr Herr seiner Sinne. So wird es für Norman einigen Aufwand bedeuten, seinem Vater den Weg in ein stabiles Leben zu ebnen. Sein Twitter-Account ist wegen dieser Geschichte übrigens mit dem Preis „Goldener Blogger„ ausgezeichnet worden.

So stelle ich mir das Wirken Gottes vor: Er geht den Verlorenen nach. Der verlorene Sohn war hingegen noch Herr seiner Sinne und konnte eine Entscheidung zur Rückkehr treffen, worauf ihn der Vater mit offenen Armen empfing. Doch es gibt Schicksalsschläge, die manche Menschen ins Bodenlose abstürzen lassen, bis sie nicht mehr Herr ihrer selbst sind. Jesus geht diesen Menschen nach – und gebraucht dazu meist andere Menschen; oft über sein soziales Netzwerk, zum Beispiel über die Ortsgemeinde. Vielleicht bist auch du so ein Werkzeug Gottes, vielleicht gibt es in deinem Freundes- oder Verwandtenkreis jemanden, dem du nachgehen kannst. Nur Mut, am Ende wird die Freude groß sein!

Thomas Lobitz



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