Sie sind hier: Andacht der Woche  

38/2020
 

Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir; sei nicht ängstlich, denn ich bin dein Gott; ich stärke dich, ich helfe dir auch, ja, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit!

Jesaja 41,10 (Schlachter 2000)


Schon wieder wachte ich zu erschreckenden Nachrichten auf. Ein 19-jähriger ehemaliger Schüler der Stoneman Douglas High School in Parkland, Florida, war in der ehemaligen Schule Amok gelaufen. Er tötete 17 Menschen und verletzte mehr als ein Dutzend weitere. Ich mag mir gar nicht vorstellen, welche Narben die fast 3.000 Schüler, die überlebten, ein Leben lang in ihren Herzen mitschleppen würden.

Immer wenn so eine Nachricht auf meinem Handy oder auf meinem Computerbildschirm erscheint, bleibt mein Herz fast stehen. Ich habe drei Töchter, die noch Schülerinnen oder Studentinnen sind. Wie würde ich reagieren, wenn statt Stoneman Douglas High School auf dem Bildschirm der Name der Schule meiner Töchter stehen würde? Ich will mir das gar nicht ausmalen. Jedes Mal, wenn ich so eine Nachricht lese, schließe ich meine Bürotür und beginne zu beten – für die betroffenen Schüler, Studenten und ihre Eltern, für die Lehrer, die, selbst innerlich verletzt, jetzt zutiefst verängstigten Schülern Hilfe und Beistand sein müssen. Ich bete auch für meine Töchter, dass sie, wo immer sie gerade sind, die Gewissheit haben, dass Gottes Gnade auch ihnen persönlich gilt. Im Angesicht des Unfassbaren kann man nur beten.

Wir alle erleben diese Momente – manchmal sehr nah, wenn ein betrunkener Autofahrer einen Freund oder Familienangehörigen schwer verletzt oder wenn die niederschmetternde Diagnose der 35-jährigen Mutter „Krebs im Endstadium„ lautet. Sünde zerstört Gottes Welt jeden Tag ein bisschen mehr – und doch gibt es Grund zur Hoffnung. Wenn wir den Nachbarn, der gerade seine Frau verloren hat, in den Arm nehmen und ihm einfach zuhören. Wenn wir der alleinstehenden Mutter einen freien Abend gönnen, weil wir auf ihre zwei Kinder aufpassen. Wenn wir ein Gebet sprechen für den verzweifelten Arbeitskollegen, dessen Ehe am Kaputtgehen ist. Hoffnung beginnt, wo wir uns an Gottes lautes „Fürchte dich nicht„ erinnern und erneut verstehen, dass wir nicht allein sind in diesem Elend! Wir können nicht ohne Hoffnung leben – deshalb noch mal zum Mitschreiben: Fürchte dich nicht.

Gerald A. Klingbeil


© Advent-Verlag Lüneburg


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