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36/2020
 

Ein Geduldiger ist besser als ein Starker und wer sich selbst beherrscht, besser als einer, der Städte einnimmt.

Sprüche 16,32


Auf einem Wahlplakat las ich diesen Satz: „Den Frieden beherrschen!„

Folgende Begebenheit half mir, die Forderung, den Frieden zu beherrschen, besser zu verstehen. Der Vorfall spielte sich im 16. Jahrhundert in Genf ab: Eines Tages bekam der protestantische Bischof Besuch von einem Mann, der sich fürchterlich über ihn aufregte und ihn beschimpfte. Dabei ließ er den Bischof nicht zu Wort kommen. Der fühlte sich überrumpelt, stand auf und griff fest an die Seiten seines Schreibtisches. Da ließ der Wüterich den Bischof einfach stehen und ging davon.

Dessen Bruder war auch im Raum und hatte die Szene miterlebt. Er schüttelte den Kopf und fragte, warum er diesem unverschämten Kerl nicht ordentlich die Meinung gesagt habe. Der Bischof, der immer noch seinen Schreibtisch festhielt, antwortete: „Was meinst du, warum ich den Schreibtisch mit beiden Händen umklammert habe? Ich wollte ihn hochheben und ihn auf den Kerl werfen, aber der Tisch war einfach zu schwer!„
Eine ehrliche Antwort! So kann „Wutmanagement„ auch aussehen und Schlimmeres verhindern. Die Prise Humor half dabei sicher auch.

Denjenigen, die Jesus nachfolgen wollen, ist klar: In solchen Situationen kann nur der Heilige Geist erreichen, dass man besonnen reagiert. Mit eigener Macht ist hier nichts getan. Es ist der Geist Gottes, der auch den Charakter verändert, sodass wir unsere Wut und unsere Rachewünsche so beherrschen, dass sie in den Hintergrund treten – weil wir uns anders entscheiden und uns darauf besinnen, was nicht zerstörerisch ist, sondern weiterhilft.
Im heutigen Bibeltext ist von Geduld und Besonnenheit die Rede. Erlauben wir Gottes Geist, unser Wutmanagement zu verändern – das heißt, besonnener zu reagieren?

Lassen wir den Tisch stehen und den wütenden Mann gehen, bis zur nächsten, hoffentlich freundlicheren Begegnung.

Burkhard Mayer


© Advent-Verlag Lüneburg


28/2020 | 09/2020