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51/2019
 

Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.

Lukas 2,10–11


Ein dreizehnjähriger Junge las im Religionsunterricht die Weihnachtsgeschichte. Als er an die Stelle kam, wo die himmlischen Heerscharen Gott loben und den Menschen Frieden verkünden (V. 13–14), begann er plötzlich zu singen. Dreizehnjährige Konfirmanden machen viele Dinge, in der Regel lieben sie Pfadfinderlager, Wandern, Lagerfeuer, manche auch Smartphones –aber Sologesang ist normalerweise nicht Bestandteil ihres Repertoires. Doch dieser Junge sang Töne, die er weder gelernt noch geübt hatte. Er sang ein Lied, das aus seinem Inneren kam –als hätte etwas in ihm von selbst zu singen begonnen.

Die Mitschüler wussten nicht, wie sie reagieren sollten, sie waren irgendwie verlegen. Niemand konnte sich das Gehörte merken, es war nicht wiederholbar –und doch war es geschehen. Keiner sprach darüber, und doch hatte es jeder gehört. (Nach Martin Klatt: Er begann plötzlich zu singen, in: Der Andere Advent 2016/17, Andere Zeiten e. V., 22.12.2016)

„Ich verkündige euch große Freude, … denn euch ist heute der Heiland geboren.„ Ist da –in all dem Trubel und Festtagsstress, dem Jagen nach Geschenken, den zahlreichen Feiern und Verpflichtungen –noch etwas spürbar von dieser tiefen, inneren Weihnachtsfreude? Gott hat die himmlischen Heerscharen auf die Erde geschickt, um den Menschen diese unglaubliche, unfassbare, leuchtende und klingende Freude zu bringen, die man nicht mit gesprochenen Worten ausdrücken, sondern eigentlich nur singen kann.

Es gibt Menschen, die vor Freude weinen, wenn sie zum ersten Mal die Botschaft von Jesus Christus hören, weil sie Gott vorher nicht gekannt haben. Weil ihnen noch nie jemand gesagt hat, dass der große Gott des Universums sie so sehr liebt, dass er in Jesus Christus als Mensch auf diese Erde gekommen ist. Spüren wir sie noch, diese überschwängliche Weihnachtsfreude? Wo ist sie geblieben? Verschüttet im Wust der Geschenke, untergegangen in den Mühen des Alltags, erstickt in falsch verstandener Frömmigkeit? Gott will uns diese Freude schenken und uns mit seiner Botschaft anrühren: „Euch ist heute der Heiland geboren!„

Heidemarie Klingeberg


© Advent-Verlag Lüneburg


Andacht der Woche | 50/2019