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35/2019
 

Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.

Psalm 90,12


In der Post liegt ein Brief mit Trauerrand. Eine schlechte Nachricht. Wer ist dieses Mal gestorben? Wir mögen keine Briefe mit schwarzem Rand, weil sie ins Bewusstsein rücken, was wir lieber verdrängen. Einen anderen Umgang mit Sterben und Tod haben wir meist nicht gelernt. Wir versichern uns gegen mögliche Risiken und sind auf alles gefasst, nur nicht auf das eine, das wirklich sicher ist –auf den Verlust des Lebens. Also auch nicht auf den Verlust von Menschen, die Teil unseres Lebens sind.

Im vergangenen Jahrhundert hat man sich bemüht, den Tod abzuschaffen oder zumindest aus unserem Leben zu verdrängen. Die Lebenserwartung hat sich im Schnitt von 44 auf 81 Jahre erhöht. In einer Gesellschaft, in der man sich an Jugendlichkeit orientiert, ist der Tod systemwidrig. Er wird zum Betriebsunfall der modernen Medizin, eine „verdammte Schweinerei, die aufhören muss„, wie es ein Literat formuliert hat. Ja, das hätten wir gern, aber es nützt nichts. Unsere Weigerung, das Ende des Lebens als unausweichlich zu akzeptieren, hat genau das Gegenteil dessen bewirkt, was sie erreichen sollte. Sie hat den Abschied vom Leben schwer gemacht. Gestorben wird gefälligst allein und bitte schön unauffällig.

Es rächt sich aber, dass wir den Tod aus unserem Leben verdrängt haben. Damit ist nämlich auch alles weggenommen, was den Menschen früher geholfen hat, Todesangst und Abschiedsschmerz besser zu ertragen: die Bereitschaft, Leid und Tod ins Lebenskonzept einzuordnen; die Frage nach dem Sinn des Lebens; die Fähigkeit zu trauern; der Glaube an Gott.

Seit immer weniger Menschen nach Gott fragen, wächst das Grauen vor dem Sterben. Man redet sich ein, Besitz, Macht oder Vergnügen könnten das Leben sichern und ausfüllen. Der Dichter von Psalm 49 muss solche Leute gekannt haben: „Reichtum und Ansehen erhalten keinen Menschen am Leben; er verendet wie das Vieh. Dieses Schicksal trifft alle, die auf sich selbst vertrauen … Ahnungslos wie Schafe trotten sie in die Totenwelt.„ Ist nun alles aus und vorbei? Nein, sagt er: „Ich bin gewiss: Gott wird mich erlösen, er wird mich den Klauen des Todes entreißen.„ (V. 13–16 Hfa) Wer die Bibel liest, findet eine Fülle von Zusagen, die dieser Gewissheit einen sicheren Grund geben. Gott sei Dank!

Günther Hampel

© Advent-Verlag Lüneburg


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