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16/2019
 

Und es war Rüsttag, und der Sabbat brach an. Es folgten aber die Frauen nach, die mit ihm aus Galiläa gekommen waren, und besahen die Gruft und wie sein Leib hineingelegt wurde. Als sie aber zurückgekehrt waren, bereiteten sie wohlriechende Öle und Salben; und den Sabbat über ruhten sie nach dem Gebot.

Lukas 23,54–56 (Elberfelder Bibel)


Die Jünger sehnten sich nach Ruhe. Sie hatten gerade den schrecklichsten Tag ihres Lebens hinter sich. Am Mittwoch waren sie davon überzeugt gewesen, dass ihre höchsten Hoffnungen und ihre kühnsten Träume sich erfüllen würden, als Jesus auf einem Eselfohlen unter dem Jubel von Tausenden in Jerusalem einritt. Sie erinnerten sich noch gut an das Hochgefühl, an seiner Seite die Begeisterung der Menge förmlich einzuatmen.

Am Donnerstagabend aßen sie das Passalamm mit dem Meister. Und dann, in dem unglaublich kurzen Zeitraum von nur 24 Stunden, brach ihre Welt komplett zusammen. Jesus wurde gefangen genommen in einem dunklen Garten. In einem Scheinprozess wurde er verurteilt. Er wurde geschlagen, angespuckt, ausgepeitscht und schließlich an ein Kreuz geschlagen. Die Zeit schien stillzustehen – und doch war es der Moment, in dem Gott etwas Neues schuf. Dieses Mal war es keine Welt oder ein Garten. Dieses Mal schuf Gott einen Weg zurück zum Anfang; einen Weg zurück zu dem, was Adam und Eva verloren hatten; einen Weg zurück zu der Herrlichkeit und Gemeinschaft der Schöpfungswoche.

Und dann war es geschafft. Jesus ruhte im Grab. Er ruhte, wie er schon am siebten Tag der Schöpfung geruht hatte, und gab damit dem Sabbat, dem Zeichen der Schöpfung, eine neue Dimension.

Er trug unsere Schuld; unsere Sünden hielten ihn am Kreuz. Er starb an unserer statt und durchbrach damit den Kreislauf von Sünde und Not. Eine neue Schöpfung konnte beginnen. In der Hektik unseres Alltags, im immer intensiver werdenden Rhythmus von Arbeit, Terminen, Aufgaben und komplexen Beziehungen, lädt uns Jesus alle sieben Tage zu einer Privataudienz ein. Er lädt uns ein, die Schönheit seiner Schöpfung mit ihm zu feiern. Er möchte unsere Beziehungen erneuern. Er sehnt sich danach, dass sein Sieg unser Sieg wird. Die neue Schöpfung ist nicht nur ein theologisches Konstrukt; sie ist eine persönliche Einladung, Zeit mit dem Schöpfer selbst zu verbringen.

Chantal J. Klingbeil


© Advent-Verlag Lüneburg


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