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45/2018
 

Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan.

Matthäus 7,7-8

„Lieber Herr Klingeberg, wie ist das für Sie, wenn Gott Ihnen mal nicht antwortet?“ Ich kenne Christen, die mit dieser Frage gar nichts anfangen können. Sie sind nämlich absolut davon überzeugt, dass man nur „richtig“ beten muss, um garantiert eine Antwort von Gott zu bekommen. Ganze Bücher wurden schon über dieses Thema geschrieben, und wann immer ich ein solches Buch in die Hand bekam, hat sich alles in mir dagegen gesträubt, die dort aufgelisteten „Gebetsrezepte“ auszuprobieren.

Ich glaube nicht daran, dass der Allmächtige sich durch bestimmte rhetorische Formeln und ausgewählte Textzitate zum Handeln bewegen lässt. Wir können ihn nicht „bedienen“ wie einen Computer, bei dem man nur die richtige Tastenkombination drücken muss, um das gewünschte Ergebnis zu erhalten. Nein, so ist er wirklich nicht, sondern er ist und bleibt der lebendige, allmächtige Gott, der in seiner Größe und Souveränität tun und lassen kann, was er will.

Aber dieser große Gott, der das gesamte Universum in seinen Händen hält, hat uns versprochen, dass ihn auch unsere banalsten Alltagssorgen interessieren und dass keins unserer Probleme zu klein oder zu groß ist, als dass er es nicht lösen könnte. Hat er uns nicht buchstäblich so etwas wie eine „Notfallnummer“ gegeben - Psalm 50,15 - und uns seine ständige Erreichbarkeit versprochen?
Ja, genau das hat er getan, und von diesem Versprechen lebe ich jeden Tag neu - und gerade weil ich es kenne und damit lebe, kann ich auch warten, wenn die erbetene Antwort Gottes nicht kurzfristig erkennbar ist. Dass das vermutlich oft genug an meiner mangelhaften Sensibilität für sein Wirken in meinem Alltag liegt, steht dabei auf einem ganz anderen Blatt. Und wer wollte oder könnte ihm vorschreiben, wie und wann er auf meine Gebete zu antworten hätte?

Eins aber ist sicher: Gott hört, wenn ich zu ihm rufe, und keins meiner Gebete ist umsonst. Er hat seinen Plan und seine Zeit, und auch heute vertraue ich ganz fest darauf, dass er es unter allen Umständen und auf der ganzen Linie von Herzen gut mit mir meint. Danke, Gott, dass du auch heute an mich denkst!

Friedhelm Klingeberg


© Advent-Verlag Lüneburg


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