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34/2018
 

Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet. Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt.

Matthäus 6,7-9

Die Bibel fordert uns zum Beten auf. Warum eigentlich, wenn Gott doch weiß, was nötig ist? Die Antwort auf diese Frage ist bereits in der Anrede des Vaterunsers verborgen. Es wäre traurig, wenn Kinder das Gespräch mit ihren Eltern nur bei einer Bitte suchen würden. In der Regel kommen Kinder zu ihren Eltern und reden über das, was sie beschäftigt. Es findet ein Austausch statt.

Diese Beobachtung lässt ahnen, wie Gebet eigentlich gemeint ist. Wir müssen Gott nicht über die aktuelle Situation informieren. Doch können wir ihm sagen, was uns bewegt. In diesem Gespräch mit Gott wird uns auch unsere eigene Situation klarer. Und weil wir unsere Gedanken auf Gott ausrichten, kann uns der Heilige Geist eine neue Sicht auf unser Problem schenken.

Es geht nicht um die Anzahl der Worte, sondern um die Tiefe der Beziehung zu Gott. Wir machen uns bewusst, dass unsere Anliegen in Gottes Händen sind, und versuchen zu hören, was Gott dazu sagen möchte. Wer so auf Gott ausgerichtet ist, weiß sich nicht allein. Gott hat viele Wege mit den Menschen. Manche hören deutlich seine Stimme, andere bekommen klare Gedanken, die sie als Antwort auf ihre Anliegen erkennen. Gott spricht auch durch unsere Mitmenschen zu uns oder schenkt uns neue Ideen durch das Lesen in der Bibel.

Wir müssen Gott nicht informieren. Er möchte, dass wir ihm vertrauen und ihn lieben. Liebe sucht die Nähe des Partners und freut sich über jeden Austausch. Wenn es kein gegenseitiges Sich-Mitteilen mehr gibt, kann die Liebe sterben.
Gott sucht ständig die Beziehung zu uns. Es geht nicht darum, dass wir fortwährend reden, sondern darum, dass wir uns der göttlichen Gegenwart und der Beziehung zu unserem Schöpfer bewusst sind und bleiben. Das meinte Paulus auch, als er die Gläubigen dazu aufrief, „allezeit zu beten“ (Eph 6,18).

Andreas Schmidtke


© Advent-Verlag Lüneburg


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