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27/2018
 

Und siehe, eine Frau war in der Stadt, die war eine Sünderin. Als die vernahm, dass er [Jesus] zu Tisch saß im Haus des Pharisäers, brachte sie ein Glas mit Salböl und trat von hinten zu seinen Füßen, weinte und fing an, seine Füße mit Tränen zu benetzen und mit den Haaren ihres Hauptes zu trocknen, und küsste seine Füße und salbte sie mit Salböl. Und er sprach zu ihr: Dir sind deine Sünden vergeben. Da fingen die an, die mit zu Tisch saßen, und sprachen bei sich selbst: Wer ist dieser, der auch die Sünden vergibt? Er aber sprach zu der Frau: Dein Glaube hat dir geholfen; geh hin in Frieden!

Lukas 7,37-38.48-50

Für etwas Geld war sie eine leichte Eroberung, das wussten alle. Diese Frau betrat nun den Raum, ging an allen vorbei zu Jesus, der zu Tisch lag, und salbte seine Füße. Das war an sich nichts Besonderes. Gäste wurden auf diese Art geehrt. Der Gastgeber, der Pharisäer Simon, hatte es wohl versäumt.

Trotzdem war diese Szene außergewöhnlich: Sie trocknete seine Füße mit ihren Haaren und küsste sie. Das ging doch wirklich zu weit! Einige dachten vielleicht sogar: Kann sie ihrer Arbeit nicht woanders nachgehen? Wenn Jesus gewusst hätte, wer sie war, dann hätte er ...

Aber er unternahm nichts dagegen. Er ließ es einfach geschehen. Jesus wusste, dass es für sie nicht nur einfach eine Geste der Gastfreundlichkeit war. Für sie war es eine Salbung. Sie salbte ihn zum König über ihr Leben. Sie drückte ihre Dankbarkeit und Liebe aus und zeigte ihre Bereitschaft, ganz für ihn und mit ihm zu leben. Und Jesus ließ es geschehen. Denn in einem Raum voller Menschen war sie die Einzige, die Jesus den Respekt erwies, den er verdiente. Sie allein ehrte seine Majestät.

Danach war Jesus an der Reihe. Sie hatte ihn vor allen Anwesenden als Herr und König bekannt. Als solcher handelte er jetzt auch: In seiner Autorität vergab er ihr ihre Sünden, ohne Bedingungen und ohne direkten Auftrag. Er tat es, weil er es wollte und die Macht dazu besaß.

Damit machte er für alle sichtbar: Wer Jesus öffentlich liebt und ihn zum König über sein Leben macht, der kann sicher sein, dass Jesus auch in seinem Leben als König handeln wird. Jesus wird sich ihm ebenfalls öffentlich liebevoll zuwenden und alle Last abnehmen.

Samuel Schmidt


© Advent-Verlag Lüneburg


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